Verhaltenskodizes und Branchenstandards

Ein verbreiteter Ansatz von Unternehmen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu begegnen, ist die Entwicklung und Implementierung eines Verhaltenskodex (englisch: Codes of Conduct) um ökologische und soziale Anforderungen systematischer zu verankern.

Insgesamt kann ein Unternehmen eigene Verhaltensgrundsätze entwickeln und umsetzen oder auf anerkannte Branchenstandards zurückgreifen, die einzuhalten sind.

Idealerweise berücksichtigen die Grundsätze die gesamte Wertschöpfungskette und beziehen Zulieferbetriebe auf allen Stufen mit ein. Sie erhalten eine rechtliche und betriebswirtschaftliche Verbindlichkeit, wenn diese Bestandteil der vertraglichen Vereinbarungen mit LieferantInnen werden.

Im internationalen Kontext sind sie ein Instrument, mit dem Unternehmen die Einhaltung von ökologischen und sozialen Mindeststandards in ihrem Einflussbereich sicherstellen können. Verhaltensstandards werden unternehmensspezifisch oder innerhalb einer Branche entwickelt. Im Gegensatz zu Tarifverhandlungen, gesetzlichen Regelungen oder internationalen Normen sind Unternehmen nicht zwingend an die Einhaltung gebunden. Mechanismen und Instrumentarien für die Implementierung und Überprüfung sind zusätzlich zu definieren, um die Einhaltung sicher zu stellen. Im Rahmen der Umsetzung sind die Leitlinien in Bezug auf das jeweilige Unternehmen und dessen Prozesse zu interpretieren und zu konkretisieren.

Beurteilung:

Nicht alle Kriterien oder Anforderungen sind in allen Kodizes enthalten. Reine Unternehmensansätze weisen häufig Mängel in Bezug auf Tarifverhandlungen, existenzsichernde Löhne („living wages“) oder unklare Regelungen zu Überstunden auf wohingegen Multi-Stakeholder-Ansätze ArbeitnehmerInnenbelange deutlich intensiver berücksichtigen.

Auch variieren die Kodizes stark, was die Anforderungen, die Ausführlichkeit der Beschreibungen und die Verbindlichkeit und Überprüfung angeht.

Generell kann lässt sich feststellen, dass Verhaltenskodizes – trotz zu beobachtender glaubhafter Bemühungen – mit dem Makel behaftet sind, nur als Mittel der Imagepflege zu dienen: nach außen gegenüber den KundInnen, wie nach innen gegenüber den Beschäftigten. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn ein Unternehmen zwar einen Verhaltenskodex verabschiedet und veröffentlicht hat, aber kein Instrumentarium für die Umsetzung vorhanden ist.

Die Einführung eines Verhaltenskodex kann jedoch als ein erster sinnvoller Schritt in der Entwicklung hin zu mehr gesellschaftlicher Verantwortlichkeit gesehen werden. Im zweiten Schritt gilt es allerdings, die formulierten Selbstverpflichtungen auch einzuhalten, auszubauen und dies nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch in der gesamten Wertschöpfungskette und dem unternehmerischen Umfeld.

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