ISO 26000 Leitfaden

Kurzbeschreibung:

Mit dem Leitfaden ISO 26000 entwickelte die ISO eine umfassende internationale Norm, die sich den Anspruch stellt, gesellschaftlich verantwortliches Handeln für alle Arten von Organisationen zu definieren. Der Leitfaden orientiert sich an allgemein anerkannten Grundsätzen, wie beispielsweise der Deklaration über grundsätzliche Prinzipien und Arbeitsrechte der ILO, dem Global Compact der Vereinten Nationen und der Rio Deklaration überUmwelt und nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.

Als wesentliche Praktiken zur Verankerung gesellschaftlicher Verantwortung macht die ISO 26000 zwei Punkte aus: Anerkennung der gesellschaftlichen Verantwortung und Identifizierung und Einbindung von Anspruchsgruppen. Weiter beschreibt sie innerhalb von sieben Kernthemen diverse Handlungsfelder und gibt entsprechende Empfehlungen.

Die ISO 26000 Kernthemen gesellschaftlicher Verantwortung lauten: Organisationsführung, Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Umwelt, anständige Handlungsweisen, KonsumentInnenfragen sowie regionale Einbindung und Entwicklung.

Zu jedem Kernthema führt die ISO 26000 Handlungsfelder an und stellt dazu entsprechende Empfehlungen an gesellschaftlich verantwortliche Organisationen auf. Die Anwendung der ISO 26000 ist freiwillig, beinhaltet keine obligatorischen Auflagen an die Teilnehmenden und ist nicht zertifizierbar.

Beurteilung:

Der Leitfaden ist nicht, wie andere Leitlinien frei verfügbar, sondern nur käuflich zu erwerben. Er enthält keine konkreten Mindestanforderungen, sondern lediglich Empfehlungen ohne messbare Kriterien. Konkrete Methoden und Maßnahmen, die bereits einer guten Praxis entsprechen, wie eine unabhängige Prüfung der Zulieferbetriebe in Produktionsländern oder Schulungsmaßnahmen sind nicht enthalten. Im Gegensatz zu bekannten ISO-Normen, wie beispielsweise der ISO 14001 für Umweltmanagement oder der ISO 9001 für Qualitätsmanagement ist die ISO 26000 per Definition keine Managementsystem-Norm und somit auch nicht zertifizierbar.

Insgesamt stellt der ISO 26000 Leitfaden eine Hülle dar, die, wenn sie nicht unternehmensspezifisch ausgestaltet und damit operationalisiert wird, Gefahr läuft, zur Leerformel ohne Verbindlichkeit zu werden.

Trotzdem kann eine Orientierung am ISO 26000 Leitfaden als ein erster sinnvoller Schritt bei der Entwicklung hin zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen gesehen werden. In einem zweiten Schritt gilt es allerdings, relevanten Handlungsfeldern und Empfehlungen mit entsprechenden Maßnahmen zu begegnen und das gesellschaftliche Engagement kontinuierlich auszubauen. Dies nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

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