GRI Leitlinien für die Nachhaltigkeitsberichterstattung in vierter Version („G4 Guidelines“) veröffentlicht

Bild: © n.v. -

Im Mai 2013 hat die Global Reporting Initiative (GRI) die vierte umfassende Überarbeitung des GRI Leitfadens für Nachhaltigkeitsberichterstattung („G4-Guidelines“) veröffentlicht.

Die Global Reporting Initiative (GRI) ist eine unabhängige Multistakeholder-Initiative, die erstmals im Jahr 2000 einen umfassenden Rahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung veröffentlicht hat.
Die GRI Leitlinien (GRI) bieten Unternehmen und Organisationen weltweit einen Rahmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Konkrete Indikatoren ermöglichen Unternehmen und Organisationen, ihre ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Leistung zu messen. Die GRI Leitlinien finden breite Anwendung und Akzeptanz bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten und sind kostenlos verfügbar.

Nach einem umfassenden Überarbeitungsprozess wurden anlässlich der GRI Global Conference am 22. Mai 2013 die neuen G4 Guidelines vorgestellt. Im Folgenden wollen wir Ihnen einige wesentliche Neuerungen der G4 Leitlinien nennen.

Die neuen Leitlinien betonen die Wesentlichkeit („Materiality“) in der Nachhaltigkeitsberichterstattung stärker. So sollen Unternehmen zukünftig über die Indikatoren berichten, die sie als wesentlich für ihren Geschäftsbetrieb eingeschätzt haben. Der Prozess zur Bestimmung der Wesentlichkeit muss dabei transparent in einer „Materialitätsmatrix“ dargestellt werden. Über Indikatoren, die als unwesentlich eingestuft werden, muss zukünftig nicht mehr berichtet werden.
Die GRI Anwendungsebenen (Level A, B und C), diesich darauf bezogen, wie viele und welche der GRI Standardangaben angesprochen wurden, sind durch ein zweistufiges System ersetzt worden. G4 Berichterstatter_innen können nun zwischen einer Berichterstattung in Übereinstimmung („in accordance“) mit dem Zusatz „Core“ oder „Comprehensive“ entscheiden. „Core“ Berichte enthalten nur die wesentlichen Kernkriterien, wohingegen „Comprehensive“ Berichte zusätzliche Angaben zur Unternehmensstrategie, Analyse, Governance und Ethik enthalten müssen.

Weiterhin wurde in den neuen Leitlinien eine Reihe von Indikatoren überarbeitet oder ergänzt. Diese beziehen sich vor allem auf die Lieferkette, die Governance, die Anti-Korruption und die Beschreibung der Managementansätze. Außerdem müssen berichterstattende Unternehmen die wesentlichen Schritte ihrer Lieferkette anhand von Indikatoren beschreiben.

Die GRI hat eine Übergangsfrist für berichterstattende Unternehmen eingeräumt. So können die früheren Versionen (G3 und G3.1) und der damit verbundene GRI Check der Anwendungsebene bis 31. Dezember 2015 genutzt werden.

Welchen Einfluss die neuen Guidelines auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung haben, bleibt zu beobachten. Sie bieten sowohl Chancen als auch Risiken: Da Unternehmen nur noch über die aus ihrer Sicht wichtigsten Indikatoren und Daten berichten und Unwesentliches weglassen können, wird es schwieriger, die Leistungen der Unternehmen untereinander zu vergleichen. Eine Beschränkung auf die wesentlichen Indikatoren dient aber auch dazu, dass Berichte deutlich kürzer und lesbarer ausfallen werden und auch kleine- und mittlere Unternehmen mit weniger Aufwand einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen können.

Bis Ende des Jahres soll eine deutsche Version der GRI Guidelines erhältlich sein.
Die englischen GRI Guidelines sind unter nachfolgendem Link downloadbar: https://www.globalreporting.org/reporting/g4/Pages/default.aspx

Cover GRI Guidelines

Über carmen / EarthLink

Projektmitarbeiterin. Aktuelle Projekte: „FAIRantwortlich handeln im Unternehmen“.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Arbeitspraktiken & Beschäftigung, Gesellschaft & Umfeld, Internationales, Menschenrechte, Umweltschutz & Ressourcenverbrauch, Verantwortliche Unternehmensführung, Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.