Abercrombie in München: Ein Modekonzern mit fragwürdigen Methoden

Bild: © Rob Young; cropped by Beyond My Ken (CC-BY-2.0) -

Die beliebte Modemarke Abercrombie & Fitch eröffnet heute in München ihren neuesten Laden. München ist die dritte Stadt in Deutschland nach Hamburg und Düsseldorf, in der die In-Marke eine Filiale eröffnet.

Abercrombie & Fitch ist nicht nur für seine Modelinie bekannt, vielmehr macht das Unternehmen durch seine außergewöhnliche Marketingstrategie und immer wieder durch Vorwürfe wegen Diskriminierung und menschenverachtender Arbeitsbedingungen von sich reden. Verkäufer, die wie Models aussehen, durchtrainierte Männer, die oben ohne vor der Tür stehen und ein ganz besonderer Duft, der schon auf der Straße zu riechen ist. Das gehört genauso zur Marke wie Vorwürfe wegen Diskriminierung und untragbarer Arbeitsbedingungen. So nahm die Organisation „International Labor Rights Forum“ im Jahr 2010 die Modemarke in ihre „Sweatshop Hall of Shame“ auf. Grund dafür sind die unterdrückenden Arbeitsbedingungen in einer philippinischen Zulieferfabrik. Als sich dort 100 Arbeiter zu einer Gewerkschaft zusammenschlossen, um gegen die mit Menschenkraft unmöglich erreichbaren Quoten vorzugehen, wurden daraufhin all diese Mitarbeiter entlassen1. Schon 2002 sah sich Abercrombie mit einer Klage wegen menschenverachtender Arbeitsbedingungen in asiatischen Zulieferbetrieben konfrontiert2 . Aber nicht nur in den Zulieferbetrieben, auch in den Läden selber kommt es in erschreckender Häufigkeit zu Menschenrechtsverletzungen: So verklagten 2003 Verkäufer das Unternehmen, weil sie gezwungen wurden, die teure Markenkleidung des Unternehmens zu kaufen und bei der Arbeit zu tragen. Bei den ausgezahlten Minimums-Löhnen war das für die Verkäufer unmöglich3 .
Auch wegen Kinderarbeit stand das Unternehmen bereits vor Gericht. So beschäftigte das Tochterunternehmen Hollister Co. in seinen Läden minderjährige Mitarbeiter, die unter anderem Nachtarbeit verrichten mussten4 . Es überrascht kaum mehr, dass auch in den Zulieferbetrieben Vorwürfe auftauchen. So wurden in der indischen Textilfabrik Bannari Amman Arbeiterinnen unter dem ausbeuterischen Sumangali-Schema eingestellt. Bis zu 16 Stunden täglich mussten die teils minderjährigen Arbeiterinnen dort schuften5 .

Von solchen Vorwürfen scheint sich das Unternehmen aber nicht beirren zu lassen, stattdessen propagiert man weiter das Image des coolen, hippen Modelabels, das wie Label-Chef Michael Jeffries sagt, auch nur für die coolen Kids gemacht ist. „Viele Menschen haben in unserer Kleidung gar nichts zu suchen“ wird der 68-Jährige zitiert6 .
Bislang ist die Marketingstrategie aufgegangen, bei Filialeröffnungen standen die Kunden in Schlangen vor den Türen, doch langsam kommt der Verdacht auf, dieser Ansturm sei künstlich inszeniert. Auch die Nachfrage in den einzelnen Filialen sinkt. Ein Grund, das Marketingkonzept oder anderes zu ändern, ist das für Jeffries nicht: Die Unternehmen, die versuchen, Mode für alle zu machen, egal ob jung, alt, fett oder mager seien in Schwierigkeiten. Sein Unternehmen hingegen sei für junge, gut aussehende Menschen. Und für niemanden anders7 .

  1. International Labor Rights Forum – Sweatshop Hall of Shame 2010 []
  2. CBC news – Major retailers pay out in sweatshop lawsuit []
  3. People’s World – National Clips: Low-wage workers sue high-fashion brands []
  4. Boston Bussiness Journal – Mass. retail stores charged for child labor law violations []
  5. SOMO – Maid In India []
  6. sueddeutsche.de – Marketingstrategie von Abercrombie & Fitch: Sie sollen jung sein und schön []
  7. sueddeutsche.de – Marketingstrategie von Abercrombie & Fitch: Irritierende Meldungen []

Über lisa / earthlink

Praktikantin bei earthlink, studiert Politik- und Kommunikationswissenschaft an der LMU München
Dieser Beitrag wurde unter Wirtschaft abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.